Bereit, an Seiner Tür zu sterben

Maalik bin Dinaar Rahimahullah erzählte den folgenden Vorfall:

Ich war einmal dabei den Tawaaf um die gesegnete Ka’bah herum zu verrichten. Während des Tawaafs staunte ich über die große Menge von Menschen, welche gekommen waren, um die Hajj und Umrah zu vollziehen. Als ich sie gerade beobachtete, kam mir der Gedanke: „Wenn ich nur wüsste, wer von ihnen bei Allah Ta’ala akzeptiert ist, damit ich ihm gratulieren kann und wer bei Allah Ta’ala abgelehnt wurde, damit ich Mitgefühl zeigen kann!“

Als ich in dieser Nacht schlafen ging, hatte ich einen Traum, in dem jemand zu mir sagte: „O Maalik bin Dinaar! Du hast über diejenigen nachgedacht, die Hajj und Umrah vollzogen haben! Ich schwöre bei Allah, dass Allah Ta’ala allen Menschen vergeben hat, ob jung oder alt, männlich oder weiblich, schwarz oder weiß, arabisch oder nicht arabisch – mit Ausnahme eines Mannes. Allah Ta’ala ist sehr unzufrieden mit ihm und hat deshalb seine Hajj abgelehnt und ihm diese zurück in sein Gesicht schlagen lassen.“ Nur Allah Ta’ala allein weiß, wie ich es geschafft habe, für den Rest der Nacht zu schlafen, nachdem ich das gehört hatte, da ich befürchtete, dass ich vielleicht selbst die Person bin, die abgelehnt worden war.

Als ich in der folgenden Nacht schlafen ging, hatte ich genau den gleichen Traum, außer dass mir diesmal gesagt wurde: „Du bist nicht diese Person (die von Allah Ta’ala abgelehnt wurde). Er ist vielmehr ein Mann aus der Region Khurasan, aus einer Stadt namens Balkh. Er heißt Muhammad bin Harun. Allah Ta’ala ist sehr unzufrieden mit ihm. Allah Ta’ala hat seine Hajj abgelehnt und ihm diese zurück in sein Gesicht schlagen lassen.“

Am nächsten Morgen ging ich zu den verschiedenen Stämmen von Khurasan, die in Makkah Mukarramah (für die Hajj) versammelt waren und begrüßte sie mit dem Salaam-Gruß. Ich fragte sie dann: „Gibt es unter Ihnen Leute aus der Stadt Balkh?“ Als sie bestätigten, dass sich Leute aus Balkh unter ihnen befanden, fragte ich: „Gibt es unter Ihnen einen Mann namens Muhammad bin Harun?“ Sie antworteten enthusiastisch: „Wie ausgezeichnet! O Maalik, du fragst nach einem Mann, den niemand in Khurasan in der Anbetung und dem Desinteresse an der Welt übertreffen kann!“

Ich war erstaunt über die Art und Weise, wie sie seine Tugend priesen, angesichts des Traums, den ich gesehen hatte. Trotzdem sagte ich zu ihnen: „Bitte zeigt ihn mir.“ Sie antworteten: „Seit vierzig Jahren fastet er und verbringt die Nacht damit, das Gebet zu verrichten. Außerdem nimmt er nur heruntergekommene Ruinen als Wohnsitz. Du wirst ihn in einen der Ruinen von Makkah Mukarramah finden.“

Ich ging also zu den zerfallenen Gebäuden von Makkah Mukarramah und begann dort zu suchen, bis ich ihn fand. Er stand hinter einer Mauer, seine rechte Hand war amputiert und seine Schlüsselbeine waren durchbohrt, wobei Ketten durch sie hindurchgeführt waren, die sich als Fesseln bis um seine Knöchel erstreckten. Als ich ihn sah, war er gerade mit dem Gebet beschäftigt und verrichtete Ruku und dann Sajdah. Aber als er das Geräusch meiner Schritte hinter sich hörte, verkürzte er sein Gebet und beendete es sogleich.

Daraufhin fragte er mich: „Wer bist du und woher kommst du?“ Ich antwortete: „Ich bin Maalik bin Dinaar aus Basrah.“ Als er meinen Namen hörte, fragte er: „Bist du derselbe Maalik, von dessen Wissen über den Dien (Islam) und dessen Askese das irakische Volk spricht?“ Ich antwortete: „Derjenige, der wirklich kenntnisreich ist, ist Allah Ta’ala. Und der wahre Asket ist Umar bin Abdil Aziz Rahimahullah, da der Reichtum der Welt für ihn greifbar war, er sich jedoch von ihm abwandte (und ihn aufgab). Für mich ist es die Armut, die mich gezwungen hat, mich von der Welt zu lösen.“

Muhammad bin Harun fragte mich dann: „O Maalik! Was hat dich zu mir gebracht? Du musst einen Traum über mich gesehen haben, also sag mir bitte, was du gesehen hast.“ Ich antwortete: „Es ist mir peinlich, Dir zu sagen, was ich gesehen habe.“ Er antwortete: „Schäme dich nicht, o Maalik!“ So erzählte ich ihm den Traum (auf sein Drängen hin).

Nachdem er meinen Traum gehört hatte, fing er an zu weinen und vergoss geraume Zeit Tränen. Schließlich sagte er zu mir: „O Maalik! In den letzten vierzig Jahren wurde jedes Jahr einem der frommen Menschen wie dir dieser Traum über mich gezeigt und ihm mitgeteilt, dass ich zu den Leuten der Jahannam (Hölle) gehöre.“ Ich fragte: „Hast du etwa eine schreckliche Tat oder Sünde begangen, die jetzt ein Hindernis zwischen dir und Allah Ta’ala darstellt?“ Er antwortete: „Ja! Meine Sünde ist noch größer als die Himmel, die Erde und der Thron von Allah Ta’ala!“ Ich fragte: „Erzähl mir von deiner Sünde, damit ich andere warnen und sie davon abhalten kann, so dass sie diese nicht begehen.“

Muhammad bin Harun erzählte somit Folgendes:

„O Maalik! Ich war ein Mann, der übermäßig berauschende Substanzen konsumierte. Eines Tages war ich mit einem meiner Freunde zusammen und trank so viel Alkohol, dass ich total betrunken wurde und meinen Sinn für Vernunft völlig verlor. In diesem betrunkenen Zustand verließ ich meinen Freund und kehrte nach Hause zurück. Als ich zu Hause ankam, klopfte ich an die Tür. Meine Frau öffnete mir die Tür. Als ich eintrat, sah ich meine Mutter, die den Ofen anheizte, um seine Hitze zu erhöhen. Sie heizte ihn so weit an, bis das Innere des Ofens durch die Hitze weiß wurde. An diesem Punkt drehte sie sich um und sah mich in meinem betrunkenen Zustand hin und her schwanken.

Sie begann mir Vorwürfe zu machen und sagte: ‚Dies ist der letzte Tag vom Monat Scha’baan und heute Nacht wird die erste Nacht des Monats Ramadhan sein! Morgen früh werden alle Menschen in einem Zustand des Fastens aufwachen. Und du wirst in einem Zustand aufwachen, in dem du betrunken und berauscht bist! Schämst du dich nicht vor Allah?‘ Als ich den Vorwurf meiner Mutter hörte, hob ich meine Hand und schlug sie. Meine Mutter verwünschte mich und sagte: ‚Mögest du vernichtet sein!‘

Ich war über ihren Fluch so verärgert, dass ich sie in meinem betrunkenen Zustand hochhob und in den Ofen warf. Als meine Frau das sah, schob sie mich in einen Innenraum des Hauses und schloss die Tür ab, aus Angst, die Nachbarn würden das Geschrei hören.

Als die Nacht zu Ende ging, kehrte meine Nüchternheit zurück und ich erholte mich wieder. Ich rief meiner Frau zu, sie solle die Tür öffnen, stellte jedoch fest, dass sie mit Härte und Ekel zu mir sprach, als sie mir antwortete. Ich fragte sie: ‚Was ist los? Warum zeigst du mir eine Härte, die du mir noch nie zuvor gezeigt hast?‘ Sie antwortete: ‚Du verdienst keine Freundlichkeit oder Sympathie von mir!‘ Als ich das hörte, fragte ich sie nach dem Grund, woraufhin sie antwortete: ‚Du hast deine Mutter getötet. Du hast sie in den Ofen geworfen und sie ist darin verbrannt.‘

Als ich das hörte, konnte ich mich nicht mehr zurückhalten. Ich brach die Tür auf, verließ den Raum und eilte zum Ofen. Als ich in ihn hineinschaute, sah ich darin den Körper meiner Mutter, der einem verbrannten Brot ähnelte. Ich wandte mich vom Ofen ab und sah eine Axt. Ich ergriff sie mit meiner linken Hand, legte meine rechte Hand auf den Türrahmen und hackte meine rechte Hand ab. Dann durchbohrte ich meine Schlüsselbeine und steckte eine Kette durch sie. Ich fesselte auch meine Füße.

Mein Vermögen bestand aus 8000 Dinaar (Goldmünzen). Bevor die Sonne untergehen konnte, gab ich den gesamten Betrag für wohltätige Zwecke aus. Ich befreite sechsundzwanzig Sklavinnen und dreiundzwanzig Sklaven und spendete alle meine Besitztümer zur freien Verwendung auf dem Weg Allah Ta’alas. Seitdem habe ich die letzten vierzig Jahren jeden Tag gefastet und bin jede Nacht wach geblieben und habe sie im Gebet verbracht. Ich vollziehe jedes Jahr die Hajj und jedes Jahr wird einem der gelehrten Personen dieser Traum über mich gezeigt, wie er auch dir gezeigt wurde!“

Maalik bin Dinaar Rahimahullah sagte:

Ich rief aus: „Du verfluchte Person! Du hast mit dem Feuer deiner Sünde fast die Erde und alle ihre Bewohner verbrannt!“ Dies sagend, drehte ich mich um und verließ ihn. Ich verweilte an einem Ort, an dem ich ihn immer noch hören konnte, befand mich für ihn aber außer Sichtweite. Zu diesem Zeitpunkt hob er die Hände und machte das folgende Du’a:

„O Du, Der die Sorge beseitigt, Der die Trauer entfernt, Derjenige, Der den Ruf von dem, der in Not ist beantwortet! O Du, Der am beständigsten ist! Der mich nicht im Stich lässt, wenn ich an Ihm festhalte! O Schöpfer des tiefen Ozeans! O Du, Der mein einziger wahrer Gott ist! O Du, Der Leichtigkeit schafft! O Du, in Dessen Kontrolle der Schlüssel zu jeder Güte liegt! Ich suche Schutz bei Deiner Zufriedenheit vor Deinem Zorn und bei Deiner Vergebung vor Deiner Bestrafung und ich suche Zuflucht bei Dir vor Dir! Ich kann Deine Tugenden nicht preisen (wie sie gepriesen werden sollten). Du bist so, wie Du Dich selbst gelobt hast! O mein Herr! Brich nicht meine Hoffnung, während ich Hoffnung auf Dich habe und lasse meine Du’a nicht vergebens sein, während ich Du’a zu Dir mache! Ich bitte Dich um das Glück zu leben, bevor ich sterbe, und ich bitte Dich, gesegnet zu sein, um Dein Antlitz sehen zu können!“

Nachdem er dieses Du’a gemacht hatte, machte ich mich auf den Weg und kehrte zu meiner Residenz zurück. In dieser Nacht hatte ich einen Traum, in dem ich gesegnet wurde, Rasulullah Sallallahu ‘alayhi wa sallam zu sehen. Rasulullah Sallallahu ‘alayhi wa sallam sagte zu mir: „O Maalik! Lasse die Menschen nicht die Hoffnung auf die Barmherzigkeit und Vergebung von Allah Ta’ala verlieren! In der Tat hat Allah Ta’ala das Du’a von Muhammad bin Harun angenommen und seine Sünde vergeben. Am Tag von Qiyaamah wird Allah Ta’ala seiner Mutter eingeben, ihm ebenfalls zu vergeben.“

Am nächsten Morgen ging ich zu Muhammad bin Harun und informierte ihn über den Traum, den ich gesehen hatte. Sobald er die frohe Botschaft hörte, die ich ihm übermittelte, tat er seinen letzten Atemzug und nahm Abschied von dieser Welt. Danach nahm ich an seinem Janaazah-Gebet teil.

Lektionen:

  1. Obwohl Maalik bin Dinaar Rahimahullah zu den führenden rechtschaffenen Gelehrten seiner Zeit gehörte, war seine Demut so groß, dass er vermutete, die unglückliche Person zu sein, deren Hajj abgelehnt wurde. Als der Mann ihn für seine Askese und sein Wissen lobte, schrieb er sich selbst keine Größe zu, sondern lobte stattdessen Umar bin Abdil Aziz Rahimahullah.
  2. Jeder Mensch sollte immer Hoffnung auf die Barmherzigkeit von Allah Ta’ala haben, aber gleichzeitig sollte er sich davor fürchten, dass er von Allah Ta’ala abgelehnt und verstoßen werden kann. Daher sollten wir uns weiterhin bemühen und rechtschaffene Handlungen ausführen und wir sollten niemals zu zuversichtlich in Bezug auf unsere Handlungen sein. Vielmehr sollten wir Allah Ta’ala bitten, unsere Taten anzunehmen, da sie der Annahme nicht würdig sind und Ihn um Seine Vergebung bitten, weil wir die Handlungen nicht so verrichten, wie sie ausgeführt werden sollten.
  3. Jannah liegt unter den Füßen der Mutter, während der Vater eine Tür zum Jannah ist. Den Eltern zu gefallen bedeutet, Allah Ta’ala zu gefallen und ihnen zu missfallen bedeutet, Allah Ta’ala zu missfallen. Wenn die Erfüllung ihrer Rechte und die Zufriedenstellung ihrer Herzen ein Mittel ist, um Jannah zu verdienen, dann führt das Zufügen von Leid und das Brechen ihrer Herzen zweifellos zur Jahannam.
  4. Gleich, wie groß unsere Sünde, wie schlecht unsere Bilanz oder wie abscheulich unser Verbrechen ist – Allah Ta’ala ist immer noch bereit, uns zu vergeben und unsere Reue anzunehmen. Wir sollten niemals die Hoffnung auf Allah Ta’ala verlieren, da die Tür Seiner Barmherzigkeit für uns so lange offensteht, bis wir sterben oder die Sonne im Westen aufgegangen ist. Alles, was es bedarf, ist, dass wir in echter Reue über unsere Sünden umkehren, um Verzeihung bitten und uns verpflichten, nie wieder zu unseren sündigen Handlungen zurückzukehren.
  5. Sobald Muhammad bin Harun realisierte, was er angerichtet hatte, tat er sein Bestes, um dies zu kompensieren. Er gab seinen ganzen Reichtum weg und verbrachte den Rest seines Lebens in der Anbetung von Allah Ta’ala. Wenn wir bedauerlicherweise in Sünde gefallen sind, sollten wir keine Zeit verstreichen lassen, wieder auf die Beine zu kommen und eine Wiedergutmachung zu leisten. Dies können wir tun, indem wir das Gebet für Taubah (Reue) verrichten, den Armen spenden und unser Leben mit guten Taten verbringen.
  6. Die vielleicht bemerkenswerteste Lektion, die aus diesem Vorfall gelernt werden kann, ist die Entschlossenheit und Ausdauer. Obwohl die rechtschaffenen Menschen vierzig Jahre lang Träume mit dem Hinweis sahen, dass seine Hajj abgelehnt wurde, blieb Muhammad bin Harun standhaft und gab nie auf. Er hatte realisiert, dass es außer Allah Ta’alas Tür keine andere Tür der Barmherzigkeit gibt, an die er klopfen konnte. Und so war er bereit an die Tür zu klopfen, bis er sterben würde. Diese Ausdauer zahlte sich letztendlich aus, als Allah Ta’ala ihm nur wenige Momente vor seinem Tod vergab.

Die Zeit kehrt niemals zurück…

Die Zeit kehrt niemals zurück…

…so mach das Beste daraus! Jede Handlung einer Person, gleich ob in Bezug auf Dien oder Dunya, kann in eine von drei Kategorien unterteilt werden, vorausgesetzt man analysiert diese auf oberflächliche Art und Weise. Die erste Kategorie von Handlungen umfasst solche Taten, die dem Menschen Nutzen bringen. Die zweite Kategorie von Handlungen beinhaltet jene Taten, die ihm Schaden und Verlust bringen. Und zu der dritten Kategorie von Handlungen gehören jene Taten, die dem Menschen weder Nutzen noch Schaden bringen.

Wenn man jedoch sorgfältig über diese drei Kategorien von Handlungen nachdenkt, wird man erkennen, dass die dritte Kategorie von Handlungen ebenfalls unter die zweite Kategorie fällt (d. h. die Kategorie der Handlungen, die Schaden und Verlust bringen). Der Grund dafür ist, dass man, wenn man die Zeit und Energie, die man für eine weder nutzende noch schadende Aktion aufgewendet hat, für etwas Vorteilhaftes verwenden würde, sicherlich einen gewissen Nutzen daraus gezogen hätte. Wenn man also Zeit und Energie nicht richtig einsetzt, wird einem der Nutzen genommen, den man hätte erlangen können und das ist selbst ein großer Verlust.

Dies lässt sich leicht am Beispiel eines Geschäftsmannes verstehen, der sein Kapital in ein Unternehmen investiert, durch das er weder Gewinn erzielt noch Verluste erleidet. Obwohl er durch eine solche Investition kein Geld verloren hat, sondern nur den erwarteten und erhofften Gewinn nicht erwirbt, betrachtet er eine solche Investition dennoch als Verlust.

Wir sollten deshalb unsere Zeit nur für Dinge einsetzen, die uns in Dunya und Akhirah Nutzen einbringen. Allah, erhaben ist Er, erleichtert dies, wenn wir die gesegnete Lebensweise des Propheten Sallallahu alaihi wa sallam befolgen. Oftmals kommen verlorene Gelegenheiten nie wieder. Und da unser Leben praktisch daraus besteht, ist die Zeit unser höchstes Gut.

In einem Ausspruch der Früheren heißt es: „Denke nicht (mit Bedauern) über die Vergangenheit nach und mach dir keine Sorgen über die Zukunft, sondern kümmere dich darum, dass du den jetzigen Moment nicht in Unachtsamkeit verbringst. Dadurch wird in der Zukunft alles zum Rechten kommen. In scha Allah.“

Möge Allah Ta‘ala uns Taufiq geben, danach zu handeln. Amin.

LOCKDOWN oder LOOK DOWN?

LOCKDOWN oder LOOK DOWN?

Angesichts des durch die Corona-Pandemie hervorgerufenen erneuten Lockdowns stellt sich wieder einmal die Frage: Was macht man während des Lockdowns? Die Antwort darauf ist, was einer der Älteren letztens sagte, und zwar: „Nicht Lockdown, sondern ,Look down‘. Schau nach unten!“ Man fragt sich, wie? Was soll das heißen, nach unten schauen?

Nach unten schauen bedeutet hier, sich auf das jenseitige Leben vorzubereiten, d. h. schau auf die Erde, die uns schon bald aufnehmen wird, sobald unser Platz darin ausgehoben ist. Erinnere dich an das Grab, dass schon bald die nächste Station auf unserer Reise sein wird. Als der Prophet Muhammad Sallallahu ‘alaihi wa sallam einmal von einem Mann der Ansaar befragt wurde, wer der Weiseste und Entschlossenste unter den Menschen sei, antwortete er:

أَكْثَرُهُمْ ذِكْرًا لِلْمَوْتِ , وَأَشَدُّهُمُ اسْتِعْدَادًا لِلْمَوْتِ قَبْلَ نُزُولِ الْمَوْتِ , أُولَٰئِكَ هُمُ الْأَكْيَاسُ ذَهَبُوا بِشَرَفِ الدُّنْيَا وَكَرَامَةِ الْآخِرَةِ

„Derjenige unter ihnen, der sich am häufigsten an den Tod erinnert und sich am eifrigsten auf den Tod vorbereitet, bevor dieser ihn einholt. Dies sind die Weisesten, welche die Ehre des Diesseits und die Würde des Jenseits erworben haben.“

(Tabrani)

Es bedarf keiner langen Erklärung – der Mensch ist nicht für ewig auf die Welt gekommen. Er muss sie am Ende verlassen. Und er sollte sie so verlassen, wie ein Reisender, der sich bestens auf eine lange Reise vorbereitet hat. So wie dieser Reisende alle nötigen Dinge einpackt, um keine Schwierigkeiten zu bekommen, so auch sollte jeder Einzelne von uns alle nötigen Dinge, die ihm im Jenseits nützen werden, zusammentragen.

Wieder ein Lockdown? Ja richtig, wieder ein Lockdown. Für viele ist er eine Last, eine Unannehmlichkeit, eine Geduldsprobe. Doch für einen Mumin ist er eine Gelegenheit, eine Chance, eine Rückkehr. Eine Möglichkeit sich dem Schöpfer zuzuwenden, von dem wir uns die meiste Zeit abwenden. Eine Möglichkeit, dass Versäumte wiedergutzumachen.

So mancher wird fragen: Warum schon wieder ein Lockdown? Was soll ich denn in dieser Zeit mit mir anfangen? In der Sunnah finden wir den I’tikaaf im Ramadhan, der dazu gedacht ist, sich wenigstens einmal im Jahr voll und ganz mit dem Herrn der Welten zu beschäftigen und sich von der Welt abzuwenden. Doch auch diese Gelegenheit wird kaum noch genutzt. Einer der Gelehrten erzählte seine Geschichte:

„Einmal verbrachte ich den Ramadhan mit meinem Lehrer und weiteren Gelehrten und Schülern. Alle verbrachten den größten Teil ihrer Zeit in Anbetung und im Gedenken an Allah, verrichteten das Gebet und rezitierten den Quran. Sie blieben des nachts die meiste Zeit wach und schliefen im Allgemeinen sehr wenig. Ich aber sagte dazu: ,Soviel Anstrengung ist nichts für mich.‘ So schlief ich den meisten Teil der Nacht, während sie mit ihrer Anbetung fortfuhren. Als einige Tage vergangen waren, wurde ich auf einmal krank und lag mit Fieber im Bett. Mein Lehrer kam, um nach mir zu schauen. Mein Leiden betrachtend sagte er schmunzelnd: ,Wer die Anstrengung nicht freiwillig unternimmt, muss sie unfreiwillig auf sich nehmen‘.“

Auf ähnliche Weise verhält es sich mit der Menschheit, denn Pandemien treten nicht einfach so auf…!

Was hat es damit auf sich?

Täglich rezitieren oder hören wir immer wieder die Verkündigung der Größe und Kraft Allahs. Beim Adhaan oder dem Gebet und zu anderen Zeiten werden die Worte ALLAHU AKBAR immer wiederwiederholt. Im Laufe eines jeden Tages ist dies eine ständige Erinnerung daran, dass ALLAH TA’ALA DER GRÖSSTE IST. Er allein kontrolliert alles und hat die volle Kontrolle über jedes winzige Teilchen. Gegenwärtig manifestiert sich Allahs Qudrah (absolute Macht und Kontrolle) durch ein mikroskopisch kleines Virus, das den größten Teil der Welt fast zum Erliegen gebracht hat. Subhaanallah! Rein ist Er, dem das gesamte Universum gehört. Er allein ist der Schöpfer jedes Lebewesens und jedes leblosen Objekts. Er lässt die Sonne aufgehen und den Mond scheinen. Gepriesen sei Allah Ta’ala, der Leben und Tod gibt und der alle am Tag des Gerichts auferstehen lässt.

Viren und Seuchen

Allah Ta’ala hat alles in diesem Universum erschaffen und dazu gehören auch Viren und Seuchen. Seuchen sind eine Ermahnung/Strafe von Allah Ta’ala für diejenigen, die Ihn ablehnen, und eine Barmherzigkeit für die wahren Gläubigen.

Da viele Länder der Welt in den „Lockdown“ gehen, ist es an der Zeit nachzudenken: Was hat uns eigentlich „weggesperrt“? (Anm.: lock down heißt auch wegsperren) Hat uns der Virus weggesperrt? NEIN! In Wirklichkeit haben uns unsere Sünden weggesperrt und dieses Unglück auf uns herabgebracht. Sünden? Welche Sünden? Oft sagt man: „Ich bin nicht perfekt, aber ich bin kein schlechter Mensch!“ Welche Sünden haben uns dann weggesperrt? Lass uns tief in unserem Inneren reflektieren und in den Spiegel des Qurans und der Sunnah schauen und sehen, in welchem Zustand wir uns wirklich befinden. Die meisten von uns werden darin sehen, wie die von uns unbekümmert missachteten Befehle von Allah Ta’ala zu uns zurückstarren.

Die fünf täglichen Gebete, die für jeden erwachsenen Muslim und jede erwachsene Muslimah obligatorisch sind, werden schätzungsweise von weniger als fünf Prozent der Ummah verrichtet (viele verrichten nur vier Gebete oder weniger und viele verrichten diese überhaupt nicht), wo doch in einem Hadieth jemand, der ein einziges Salaah absichtlich verpasst, mit einem Mann verglichen wurde, welcher sein Vermögen und seine Familien verloren hatDas Salaah mit der Jamaa’ah (Gemeinde), das für Männer waajib ist, wird im Allgemeinen auf die leichte Schulter genommen oder aber völlig vernachlässigt. Man braucht nur die Anzahl der Betenden in der Masjid zu zählen, die zum Fajr-Gebet erscheinen, um sich ein Bild von dieser groben Vernachlässigung zu machen!

Was ist mit Sünden wie Ghiebah (üble Nachrede), Lügen, Zina, Glücksspiel, Zinsen zu nehmen oder zu geben, Alkohol zu trinken und Drogenkonsum, der Abbruch familiärer Beziehungen, Böswilligkeit und Eifersucht, Stolz und Arroganz, grobe Verschwendung – insbesondere bei Hochzeiten und anderen Veranstaltungen (wo Tausende von Euros für Deko usw. verschwendet werden) und verschiedene andere schlechte Taten, in die wir verwickelt sind? Das Herumtrampeln auf den Rechten anderer Menschen wird oft als Spaß oder sogar als eine tolle Leistung angesehen! Die Liste unserer Laster ist nahezu endlos. Ja gewiss, Sünden zerstören die Barakah und ziehen Not und Unglück nach sich. So kam es, dass unsere SÜNDEN uns weggesperrt haben.

Allah Ta’ala sagt im Quran:

وَمَآ أَصَـٰبَكُم مِّن مُّصِيبَةٍ فَبِمَا كَسَبَتْ أَيْدِيكُمْ وَيَعْفُواْ عَن كَثِيرٍ

„Und was immer euch an Unglück trifft, es ist für das, was eure Hände erworben haben. Und Er verzeiht vieles.“

(Quran: Sure 42, Ayat 30)

Die gleiche Botschaft wird auch in mehreren anderen Versen des Qurans übermittelt. Während das physische Sehen unserer Augen und der intellektuelle Verstand das Virus als einzigen Grund betrachten, der uns weggesperrt hat, können das spirituelle Herz und die göttlich inspirierte Einsicht erkennen, dass es in Wirklichkeit unsere Sünden waren, die uns weggesperrt haben.

Zwei Arten von unmoralischem Verhalten, die uns ernsthaft zu denken geben sollten

Unter allen begangenen Sünden fallen zwei Arten von schlechten Taten besonders ins Gewicht – Thulm (Unterdrückung, Ungerechtigkeit oder Unrecht tun) und Fahschaa (Unmoral und Schamlosigkeit). Schaut man einmal genauer hin wird man feststellen, dass die Welt voller Thulm ist. Die Tyrannei und Ungerechtigkeit vieler Herrscher und Regierungen sind jedem bekannt, jedoch ist Thulm nicht nur auf staatliche Tyrannei beschränkt. Wie zahlreich findet man unterdrückte Eltern vor und die Schuldigen sind ihre eigenen Kinder. Und wie oft ist das Gegenteil der Fall, wo die Eltern sich schuldig machen, weil sie ihre eigenen Kinder unterdrücken. Vorfälle von Ehepartnern, die sich gegenseitig ungerecht behandeln oder unterdrücken, kennen wir aus herzzerreißenden (leider wahren) Geschichten. Wenn die Tränen der zahlreichen unterdrückten Frauen (und auch die Tränen vieler unterdrückter Ehemänner) in Tinte verwandelt werden würden, könnte man mit dieser Tinte riesige Bände über die grobe Misshandlung und Unterdrückung derer schreiben, von denen man erwarten konnte, dass sie sich gegenseitig mit Liebe und Zuneigung behandeln!

Unter den vielen, die unterdrückt und ungerecht behandelt werden, fallen auch Arbeiter, die nicht voll bezahlt werden oder deren Arbeit mit einem Hungerlohn vergütet wird. Des weiteren Erben, die ihres rechtmäßigen Erbes beraubt wurden oder aber Opfer von Betrug und Korruption. Außerdem diejenigen, die beschimpft, gemobbt oder verspottet werden oder Menschen, auf die herabgeschaut wird, und das nur aufgrund ihrer Hautfarbe, Nationalität oder Sprache usw. Vom Thulm zwischen Verwandten, was zur Trennung von Familienbeziehungen führt, einmal abgesehen. In Bezug auf Thulm sagt Allah Ta’ala:

وَلَقَدْ أَهْلَكْنَا ٱلْقُرُونَ مِن قَبْلِكُمْ لَمَّا ظَلَمُوْا

„Und wir haben bereits die Generationen vor euch zerstört, als sie Unrecht taten…“

(Quran: Sure 10, Ayat 13)

Auch in Sure Kahf sagt Allah Ta’ala:

وَتِلْكَ ٱلْقُرَىٰٓ أَهْلَكْنَـٰهُمْ لَمَّا ظَلَمُوْا

„Und diese Städte haben wir zerstört, als sie Unrecht taten…“

(Quran: Sure 18, Ayat 59)

Untersuchen wir unsere Herzen und Handlungen einmal genauer, so werden wir uns vieler Aspekte bewusstwerden, wo wir uns des Unrechts wegen schuldig gemacht haben. Um uns vor dem Zorn Allah Ta’alas zu retten, müssen wir mit Thulm aufhören, aufrichtig bereuen und das wieder gut machen, was auch immer in der Vergangenheit passiert ist.

Die zweite äußerst ernsthafte Sündhaftigkeit ist der Tsunami der Unmoral und Schamlosigkeit. Rasulullah Sallallahu ‘alaihi wa sallam sagte:

لَمْ تَظْهَرِ الْفَاحِشَةُ فِي قَوْمٍ قَطُّ حَتَّى يُعْلِنُوا بِهَا إِلاَّ فَشَا فِيهِمُ الطَّاعُونُ وَالأَوْجَاعُ الَّتِي لَمْ تَكُنْ مَضَتْ فِي أَسْلاَفِهِمُ الَّذِينَ مَضَوْا

„Wenn sich Schamlosigkeit in einer Gemeinschaft weit verbreitet und die Leute sich ihr hingeben, werden sich Seuchen und solche Krankheiten unter ihnen ausbreiten, von denen ihre Vorfahren noch nie gehört hatten.“

(Ibn Maajah)

Rasulullah Sallallahu ‘alaihi wa sallam wurde einmal gefragt: „Werden wir zerstört, solange noch fromme Menschen unter uns sind?“ Er Sallallahu ‘alaihi wa sallam antwortete:

نَعَمْ إِذَا ظَهَرَ الْخَبَثُ

„Ja, wenn die Sünden (in der Öffentlichkeit) dominieren.“

(Tirmidhi)

Wenn sich ein Übel verbreitet und sich die Gesellschaft diesem allgemein hingibt, nimmt das Empfinden für die Schwere dieser Sünde im Herzen ab und es wird allmählich als „normal und in Ordnung“ angesehen. Dieser Zustand entwickelt sich daraufhin weiter, bis die Leute über das Ablehnen von Sünden erstaunen und wenn man dies anspricht, sagen sie: „Was ist denn daran falsch?“ Leider ist dies bei vielen unmoralischen Handlungen zur Tagesordnung geworden.

Was sollten wir nun also tun? Wie sollen wir uns verhalten bzw. wie sollen wir handeln?

Der Lockdown ist eine Zeit zum Nachdenken und zur aufrichtigen Umkehr. Allah Subhanahu Ta’ala, Der mit ewiger Weisheit handelt, gibt uns dadurch wichtige Zeichen: Die Sünden und schlechten Taten haben das Maß überschritten! Der Umgang mit der Umwelt und den Mitmenschen ist in vielen Teilen der Welt bis zur Unmenschlichkeit herabgesunken. Unter diesem Gesichtspunkt ist eine Pandemie eine Barmherzigkeit, um uns vor noch schlimmeren Zuständen zu schützen. Wer aber trotz der Ermahnung immer noch nicht zu Allah zurückkehrt, für denen gibt es doppelte Strafe. Eine schon im Diesseits und die Weitere, die eine gewaltige Strafe sein wird, im Jenseits. Allah Ta’ala sagt im Quran:

وَلَنُذِيقَنَّهُم مِّنَ ٱلْعَذَابِ ٱلْأَدْنَىٰ دُونَ ٱلْعَذَابِ ٱلْأَكْبَرِ لَعَلَّهُمْ يَرْجِعُونَ

„Und wir werden sie ganz gewiss etwas von der diesseitigen Strafe vor der größeren Strafe kosten lassen, auf dass sie umkehren mögen.“

(Quran: Sure 32, Ayat 21)

In der Tat sind dies sehr schwierige Zeiten und in diesen darf man nicht locker und sorglos bleiben. In solchen Situationen eine sorglose und achtlose Haltung zu haben, ist in der Tat gefährlich, da man Allah Ta’ala damit gleichgültig gegenübersteht. Auch wenn es wichtig ist, die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen innerhalb der Grenzen von Allahs Geboten zu treffen, wird jedoch nur dadurch allein der Virus nicht beseitigt werden. Es gibt viel, viel mehr zu tun. Im Folgenden sind einige Aspekte aufgeführt, die unternommen werden sollten, um die Wurzel des Problems zu behandeln.

Tränen vergießen vor Allah Ta’ala

Lass uns bereuen und nochmals bereuen, und vor allem aufrichtig bereuen. Von allen Sünden muss Abstand genommen werden. Wir sollten wiederholt tiefe, von Herzen kommende Taubah machen und Allah Ta’ala um Verzeigung bitten und dabei Tränen der Reue und des Bedauerns vergießen. Allah Ta’ala sagt im Quran:

إِنَّ ٱللَّهَ يُحِبُّ ٱلتَّوَّابِينَ

„In der Tat liebt Allah diejenigen, die ständig Buße tun…“

(Quran: Sure 2, Ayat 222)

Rasululah Sallallahu ‘alaihi wa sallam hat gesagt:

لَايَلِجُ النَّارَ رَجُلٌ بَكَىٰ مِنْ خَشْيَةِ اللَّهِ

„Derjenige, der aus Furcht vor Allah Ta’ala weint, wird nicht ins Höllenfeuer gehen.”

(Tirmidhi)

Wenn wir alle aufrichtig umkehren, werden die Rahmah und der Segen von Allah Ta’ala auf alle herabkommen und die Schwierigkeiten fortgenommen. In scha Allah.

Über Allah Ta’ala sprechen

Viel ernster als die Sorge um unser Leben und unsere Gesundheit ist die Sorge um den eigenen Iman. In schwierigen Zeiten besteht für eine Person mit einem schwachen Iman die große Gefahr, dass diese sich aufgrund schlechter Taten und Handlungen noch weiter von Allah Ta’ala entfernt. Daher benötigen wir die Stärkung unseres Imans in Zeiten von Herausforderung und Not viel mehr als zu anderen Zeiten. Dies erfordert, dass wir viel über Allah Ta’ala sprechen. Wir sollten über seine Größe, Kraft und Macht mit unseren Familien, Nachbarn, Freunden und allen anderen immer und immer wieder sprechen.

Dafür sollten wir uns die Geschichten der Propheten ‘alaihimus Salaam gegenseitig erzählen, z. B. wie Allah Ta‘ala das Feuer für den Propheten Ibrahim ‘alaihis Salaam zu einem Garten gemacht hat oder wie Er den Propheten Yunus ‘alaihis Salaam aus dem Bauch des Fisches unversehrt wieder hervorgebracht hat. Allah Ta‘ala kontrolliert die Himmel und die Erde. Er hat die volle Kontrolle über jedes Virus sowie jedes Atom im Universum. Wir müssen uns daher an Ihn wenden. Wir sollten so lange über Allah Ta’ala sprechen, bis Seine Größe tief in unseren Herzen verinnerlicht wird. Des Weiteren sollten wir auch mit anderen über z. B. den liebevollen Rat von Rasulullah Sallallahu ‘alaihi wa sallam an Sayyiduna ‘Abdullah bin ‘Abbaas Radhiyallahu ‘anhuma sprechen, indem er sagte:

يَا غُلاَمُ إِنِّي أُعَلِّمُكَ كَلِمَاتٍ احْفَظِ اللَّهَ يَحْفَظْكَ احْفَظِ اللَّهَ تَجِدْهُ تُجَاهَكَ إِذَا سَأَلْتَ فَاسْأَلِ اللَّهَ وَإِذَا اسْتَعَنْتَ فَاسْتَعِنْ بِاللَّهِ وَاعْلَمْ أَنَّ الأُمَّةَ لَوِ اجْتَمَعَتْ عَلَى أَنْ يَنْفَعُوكَ بِشَيْءٍ لَمْ يَنْفَعُوكَ إِلاَّ بِشَيْءٍ قَدْ كَتَبَهُ اللَّهُ لَكَ وَلَوِ اجْتَمَعُوا عَلَى أَنْ يَضُرُّوكَ بِشَيْءٍ لَمْ يَضُرُّوكَ إِلاَّ بِشَيْءٍ قَدْ كَتَبَهُ اللَّهُ عَلَيْكَ رُفِعَتِ الأَقْلاَمُ وَجَفَّتِ الصُّحُفُ

„O mein Junge! Ich lehre dich einige Worte. Bewahre (die Gebote von) Allah Ta’ala (indem du Seine Anweisungen erfüllst und von Sünde Abstand nimmst), so wird Er dich beschützen. Bewahre (die Befehle von) Allah Ta’ala, dann wirst du Ihn bei dir finden (indem Er dir in deiner Not helfen und dir Lösungen für jedes Problem geben wird). Wenn du irgendjemanden bittest, dann bitte Allah. Wenn du Hilfe suchst, dann suche Hilfe bei Allah. Und wisse, dass, wenn die gesamte Gemeinde beschließt, dir in einer Sache zu nutzen, sie dir nur in etwas nutzt, das Allah schon für dich niedergeschrieben hat, und dass sie, wenn sie beschließt, dir in einer Sache zu schaden, dir nur in etwas schadet, das Allah schon für dich niedergeschrieben hat. Die Schreibfedern sind abgesetzt und die Tinte ist getrocknet.“

(Tirmidhi)

Sich vor Allah Ta’ala verneigen und niederwerfen

Wann immer die geringste Besorgnis über irgendetwas bestand, eilte Rasulullah Sallallahu ‘alaihi wa sallam sofort zum Salaah. In schwierigen Zeiten sollte man sich somit viel dem Salaah zuwenden. Es steht außer Frage, die fünf täglichen Gebete dürfen zu keinem Zeitpunkt verpasst werden. Außerdem sollte man in schwierigen Zeiten versuchen, so viele freiwillige Gebete wie möglich zu verrichten, wie z. B.: TahajjudIshraaqDuhaAuwaabien usw. Auch sollte man regelmäßig das Salaatul Haajah (Gebet für Bedürfnisse und Not) beten und ernsthaft Du’a machen.

Zu Allah Ta’ala einladen

Einer der Hauptgründe für Katastrophen ist die Aufgabe der Pflicht von Amr bil ma’ruf und Nahi ’anil Munkar (das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verbieten). Rasulullah Sallallahu alaihi wa sallam hat gesagt:

والَّذِي نَفْسِي بِيَدِهِ لَتَأْمُرُنَّ بالْمعرُوفِ ، ولَتَنْهَوُنَّ عَنِ المُنْكَرِ ، أَوْ لَيُوشِكَنَّ اللَّه أَنْ يَبْعثَ عَلَيْكمْ عِقَاباً مِنْهُ ، ثُمَّ تَدْعُونَهُ فَلاَ يُسْتَجابُ لَكُمْ

„Bei Dem, in dessen Händen mein Leben ist, entweder ihr gebietet das Gute und verbietet das Üble, oder Allah wird gewiss Strafe über euch senden; und dann werdet ihr beten, aber eure Bitten werden nicht erhört werden.”

(Tirmidhi)

Setzen wir uns einmal hin und denken wir einmal nach – was fehlt in unserem eigenen Haushalt? Welche Fehler werden begangen? Was kann verbessert werden? Wir sollten unserer Familie guten Rat mit Weisheit geben und diese mit Liebe leiten. Wenn wir beständig das Gute gebieten und das Schlechte verbieten, wird dadurch unser Weg zur Erlösung geebnet.

Für Allah Ta’ala Sadaqah geben

Wir sollten mit größter Aufrichtigkeit für Allah Ta’ala Sadaqah geben. Am besten so viel wie möglich und ohne Angst vor einem Rückgang des Wohlstands. Sadaqah (Wohltätigkeit, Spenden) wehrt Katastrophen ab und erhöht stattdessen den Wohlstand. Dabei sollte jedem gegeben werden, der sich in Not befindet, gleich ob Muslim oder Nicht-Muslim. Die erste Priorität ist jedoch, bedürftigen Verwandten etwas zu geben. Zur Zeit des Lockdowns, in der viele in den kommenden Wochen ihr Gehalt nicht verdienen, ist es ebenfalls lohnender, den eigenen bedürftigen Arbeitnehmern zu geben, bevor man anderen gibt. Sie sind das offensichtliche Mittel, um einem zu helfen, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und Gewinne zu erzielen, und verdienen daher in diesen schwierigen Zeiten besondere Berücksichtigung.

Sich an Allah Ta’ala erinnern

Wir sollten uns viel mit Dhikr und Tasbiehaat beschäftigen. Wenn man immer eine Tasbieh-Kette oder einen Tasbieh-Zähler in der Hand hält, so wird man dadurch erinnert, Allahs fortwährend zu gedenken. Auf diese Weise können wir viel Istighfaar machen, Salat alan Nabi senden und die dritte Kalima sowie andere Adhkar rezitieren. Wer sich an Allah Ta’ala erinnert, an den erinnert sich Allah Ta’ala und Er zeigt ihm seine Gunst.

Mit Allah Ta’ala sprechen

Lass uns täglich mit Allah Ta’ala sprechen. Wir können mit Ihm durch das Du’a sprechen, Ihn dadurch bitten, zu Ihm flehen und an Seine Tür klopfen. Wir müssen uns dabei demütig zu Ihm wenden. Allah Ta’ala sagt:

أَمَّن يُجِيبُ ٱلْمُضْطَرَّ إِذَا دَعَاهُ وَيَكْشِفُ ٱلسُّوٓءَ وَيَجْعَلُكُمْ خُلَفَآءَ ٱلْأَرْضِ‌ۗ أَءِلَـٰهٌ مَّعَ ٱللَّهِ‌ۚ قَلِيلاً مَّا تَذَكَّرُونَ

„Oder wer ist es (außer Allah), der auf den Ruf des Betroffenen reagiert und sein Unglück beseitigt und euch zu Nachfolgern (auf) der Erde macht? Gibt es denn einen (anderen) Gott neben Allah? Wie wenig ihr bedenkt!“

(Quran: Sure 27, Ayat 62)

Sich um Allah Ta’alas willen vertragen

Wenn die familiären Beziehungen in Mitleidenschaft gezogen wurden, ist es wichtig sich für Allah Ta’alas Wohlgefallen zu vertragen. Das Abbrechen familiärer Beziehungen führt zu einem Entzug der Barakah in Leben und Wohlstand und verhindert, dass die Du’as akzeptiert werden. Und auch die Gemeinschaft, die solchen Menschen nicht rät, solche Handlungen zu unterlassen, wird der Gnade Allah Ta’alas beraubt. Einmal sprach Sayyiduna ‘Abdullah bin Mas’ud Radhiyallahu ‘anhu zu jenen, die in seiner Versammlung saßen: „Ich flehe diejenigen, die ihre familiären Beziehungen abgebrochen haben, im Namen Allah Ta’alas an, die Versammlung zu verlassen. Wir möchten zu unserem Rabb Du’a machen, wohingegen doch die Türen des Himmels für denjenigen verschlossen sind, der den Bund der Verwandtschaft bricht. “ (Al-Mu’jamul Kabier) Rasulullah Sallallahu alaihi wa sallam hatte ebenfalls gewarnt:

لَا يَدْخُلُ الْجَنَّةَ قَاطِعٌ

„Derjenige, der den Bund der Verwandtschaft bricht, wird nicht in Jannah eintreten (d. h., bis er in Jahannam von dieser Sünde gereinigt wurde).“

(Bukhari)

Sich an Allah Ta’ala wenden

Kurz gesagt, wir sollten uns an Allah Ta’ala wenden, und zwar in aller Aufrichtigkeit und Ernsthaftigkeit, indem wir alle oben genannten Maßnahmen ergreifen und auch all das, was sonst noch notwendig ist. Wenn wir Seine werden, wird Er unser sein. Er allein hat Macht über alles und Er allein wird alle Katastrophen und Schwierigkeiten beseitigen. Möge Allah Ta’ala die gesamte Ummah vor jeder Not schützen und alle mit dem Besten beider Welten segnen, Amien.

Wie erhält man Allahs besondere Unterstützung?

Wie erhält man Allahs besondere Unterstützung?

Einer der Gelehrten erwähnte einmal Folgendes: Wenn sich ein Mensch Taqwa (Frömmigkeit) aneignet und Allah Ta’ala in seinem Leben fürchtet, indem er seine Wünsche dem Befehl von Allah Ta’ala unterwirft, dann beseitigt Allah Ta’ala seine Schwierigkeiten durch unsichtbare Mittel und hilft ihm durch Wege, durch die er es am wenigsten erwarten würde. Allah Ta’ala sagt im Quran:

وَمَن يَتَّقِ ٱللَّهَ يَجْعَل لَّهُۥ مَخْرَجًا

Und wer Allah fürchtet, dem schafft Er einen Ausweg (aus allen Schwierigkeiten). (Sure Talaaq, Ayat Nr. 2)

وَيَرْزُقْهُ مِنْ حَيْثُ لَا يَحْتَسِبُ‌ۚ  وَمَن يَتَوَكَّلْ عَلَى ٱللَّهِ فَهُوَ حَسْبُهۥٓ‌ۚ إِنَّ ٱللَّهَ بَـٰلِغُ أَمْرِهِۦ

Und gewährt ihm Versorgung, von wo (aus) er damit nicht rechnet. Und wer sich auf Allah verlässt, dem ist Er seine Genüge. Allah wird gewiss (die Durchführung) seine(r) Angelegenheit erreichen. (Sure Talaaq, Ayat Nr. 3)

Ein garantierter Weg, um die besondere Unterstützung von Allah Ta’ala zu erhalten, besteht darin, dem Dien von Allah Ta’ala zu helfen. Allah Ta’ala sagt im Quran:

اِنۡ تَنۡصُرُوا اللّٰهَ یَنۡصُرۡکُمۡ

Wenn ihr (dem Dien von) Allah Ta’ala helft, wird Er euch helfen. (Sure Muhammad, Ayat Nr. 7)

Wer sich dafür einsetzt und abmüht, den Dien von Allah Ta’ala zu unterstützen, für den wird Allah Ta’ala alle Systeme der Welt zu seinen Gunsten arbeiten lassen. Allah Ta’ala wird die Dinge, die im Allgemeinen Schaden und Zerstörung verursachen, verwandeln und sie zu einem Mittel von Leichtigkeit und Trost machen. Schauen wir uns die Situation von Nabi Ibrahim Alaihis Salaam an. Als er den Dien von Allah Ta’ala mit Herz und Seele unterstützte, verwandelte Allah Ta’ala das lodernde Feuer für ihn in einen angenehmen Garten. Auf die gleiche Weise spaltete Allah Ta’ala das Wasser, als Nabi Musa Alaihis Salaam den Dien von Allah Ta’ala unterstützte, damit Musa Alaihis Salaam und sein Volk dadurch sicher an das andere Ufer gelangen konnten, obwohl der Ozean normalerweise ein Mittel dafür ist, dass man ertrinkt.

Wie bekommen wir nun Taqwa in unser Leben?

“Abstand” gehört vielleicht zu den am häufigsten verwendeten Worten in der jüngeren Vergangenheit. Und aus gesundheitlichen Gründen Abstand zu halten, wobei man das Vertrauen auf Allah beibehält, ist eine Sache, die wir in der Sunnah wiederfinden. Da die seelischen Krankheiten jedoch viel schwerwiegender sind als körperliche Krankheiten (Letztere bringen weltlichen Schaden mit sich, während seelische Krankheiten im Jenseits ewigen oder zumindest langzeitigen Misserfolg herbeiführen können), wollen wir den Begriff „Abstand“ von dieser Perspektive aus einmal genauer unter die Lupe nehmen.

Wenn sich eine Person von Allah Ta’ala distanziert, weil sie vom Virus der Sünde betroffen ist, wird sie geistig krank und schwach. Wenn diese dann weiterhin an großen Sünden festhält und die Distanzierung zu Allah Ta’ala extreme Ausmaße annimmt, kann ein solcher „Abstand“ schließlich zu geistiger Lähmung oder sogar zum seelischen Tod führen! Es ist traurig mitanzusehen, dass wir uns dem Verderben mehr und mehr genähert haben und von Allah Ta’ala, seinem Propheten Sallallahu alaihi wa sallam, unseren Eltern, unseren Verwandten, den rechtschaffenen und frommen Menschen sowie den guten Taten, die uns zu Allah Ta’ala näherbringen, usw. „Abstand“ genommen haben.

Der größte Ehrgeiz, das höchste Bestreben und das ultimative Ziel eines Muslims ist es, seinem Rabb und Schöpfer Allah Ta’ala nahe zu kommen. Daher wird der Muslim die „Extrameile“ gehen und sich so viel wie möglich bemühen, sich diese Nähe, sogar eine besondere Nähe, zu verdienen. Und im Gegensatz dazu, wird er allem, was ihn von Allah Ta’ala entfernt, sei es auch nur im kleinsten Ausmaß, völlig abgeneigt sein. Schauen wir uns einmal die Sahabah Radhiyallahu anhum des Propheten Sallallahu alaihi wa sallam an, wie sie die Nähe Allahs gesucht haben und wie sie von den Dingen Abstand nahmen, welche Allahs Missfallen herbeiführen.

Wahre Liebe und Hingabe

Sayyiduna Abbaas Radhiyallahu anhu, der Onkel von Rasulullah Sallallahu alaihi wa sallam, hatte eine Rinne, die über den Weg ragte, den Sayyiduna Umar Radhiyallahu anhu immer benutzte, wenn er zur Masjid ging.

Einmal schlachtete Abbaas Radhiyallahu anhu an einem Freitag zwei Hühner. Als Umar Radhiyallahu anhu an diesem Tag vorbeikam, wobei er schon seine Kleidung für das Jumu’ah-Salaah trug, wurde das Blut der Hühnchen gerade in diesem Moment in die Rinne gespült, wodurch es auf Umar Radhiyallahu anhu floss und seine Kleidung beschmutzte.

Umar Radhiyallahu anhu gab Anweisungen zum Entfernen der Dachrinne und kehrte dann nach Hause zurück, wo er die verschmutzte Kleidung auszog und sich saubere Kleidung anzog. Daraufhin ging er zur Masjid und leitete das Jumu’ahSalah.

Nach dem Gebet kam Abbaas Radhiyallahu anhu zu Umar Radhiyallahu anhu und sagte: „Bei Allah! Rasulullah Sallallahu alaihi wa sallam selbst hatte die Rinne an dieser Stelle platziert!“ Als Umar Radhiyallahu anhu dies hörte, rief er aus: „Ich schwöre, dass Du auf meinem Rücken stehen wirst, um die Rinne an der Stelle wieder zu platzieren, an der Rasulullah Sallallahu alaihi wa sallam sie angebracht hatte!“

Dementsprechend ließ Umar Radhiyallahu anhu Abbaas Radhiyallahu anhu auf seinem Rücken stehen, indem er seine Füße auf seine Schultern nahm. Dann hob er ihn hoch, bis er die Rinne wieder an ihren ursprünglichen Platz anbringen konnte. (Musnad Ahmad # 1790 und Tabaqaat Ibn Saad Vol. 4, S. 20)

Lektionen:

1. Sayyiduna Umar Radhiyallahu anhu hatte eine solche Liebe zu Rasulullah Sallallahu alaihi wa sallam, dass er sofort persönlich veranlasste, dass die Rinne wieder an ihre ursprüngliche Position angebracht wird, nachdem er gehört hatte, dass er sie von der Stelle entfernt hatte, an der Rasulullah Sallallahu alaihi wa sallam sie selbst platziert hatte. Als Gläubige behaupten wir oder nehmen wir zumindest an, Rasulullah Sallallahu alaihi wa sallam zu lieben und ihm zu folgen. Wenn wir jedoch hören, dass eine bestimmte Handlung oder Praxis die Sunnah von Rasulullah Sallallahu alaihi wa sallam ist, inspiriert es uns dann, daran festzuhalten, oder – möge Allah Ta’ala verbieten – sehen wir das Wort „Sunnah“ als Entschuldigung an, um diese Tat auszulassen? Wenn Sayyiduna Umar Radhiyallahu anhu es nicht tolerieren konnte, dass die Rinne von dem Platz entfernt wurde, an dem sie von Rasulullah Sallallahu alaihi wa sallam platziert wurde, wie können wir dann tolerieren, dass die Sunnah vernachlässigt wird, wenn es der gesegnete Weg von Rasulullah Sallallahu alaihi wa sallam ist?

2. Obwohl Sayyiduna Umar Radhiyallahu anhu der Khaliefah der Muslime war, ehrte er Sayyiduna Abbaas Radhiyallahu anhu, weil er der Onkel von Rasulullah Sallallahu alaihi wa sallam war, und bat ihn, auf ihm zu stehen, um die Rinne erneut anzubringen. Dies tat er, wegen seiner außerordentlichen Demut und Aufrichtigkeit.

3. Der Freitag ist der wichtigste und bedeutendste Wochentag für einen Muslim. Daher sollten wir an einem Freitag unsere beste (möglichst weiße) Kleidung tragen.

Die dritte Welle

Die dritte Welle

Frage: Die zweite Welle des Corona-Virus war gerade abgeflaut, da dauerte es nicht lange, bis schon die dritte Welle kam. Das alles ist sehr beunruhigend und ich fühle mich sehr niedergeschlagen und verzweifelt. Werden diese Wellen irgendwann aufhören?

Antwort: Ohne den Ozean oder eine riesige Menge an Wasser gibt es keine Wellen. Solange also der Ozean von Sünden nicht durch aufrichtige Umkehr und innerliche Reformation verdunstet, werden die Wellen der Pandemien, Katastrophen und Probleme nicht aufhören.

In vielen Aayaat (Verse) des Qurans und in zahlreichen Ahadieth wird die Verbindung bzw. der Zusammenhang zwischen Sünden und Katastrophen deutlich hervorgehoben. Insbesondere offensichtliche Unmoral und Schamlosigkeit führen zu Plagen und Pandemien. Es wird berichtet, dass Rasulullah Sallallahu alaihi wa sallam sagte:

لَمْ تَظْهَرِ الْفَاحِشَةُ فِي قَوْمٍ قَطُّ حَتَّى يُعْلِنُوا بِهَا إِلاَّ فَشَا فِيهِمُ الطَّاعُونُ وَالأَوْجَاعُ الَّتِي لَمْ تَكُنْ مَضَتْ فِي أَسْلاَفِهِمُ الَّذِينَ مَضَوْا

“Wann immer sich Unmoral in einer Gemeinschaft weit verbreitet und die Menschen sich offen der Schamlosigkeit hingeben, werden sie von Seuchen heimgesucht und es werden sich solche Krankheiten ausbreiten, von denen ihre Vorfahren noch nie gehört hatten.”

(Sunan Ibn MaajahHadith Nr. 4019)

In einem anderen Hadith wird berichtet, dass Todesfälle in großer Anzahl auftreten werden, wenn sich die Unterdrückung anderer weitgehend ausbreitet. Die tragische Realität ist, dass die Viren des unmoralischen Verhaltens, der schamlosen Kleidung und der verbotenen Taten selbst zu einer Pandemie geworden sind. Kaum ein Ort auf der Erde ist von den Auswirkungen der Unmoral verschont geblieben, die sich auch weiterhin wie ein Lauffeuer ausbreitet. Dies hat zu der Pandemie geführt, die die Welt mit ihren Tentakeln erfasst hat.

Der eigentliche Grund für die Pandemie hängt weder mit medizinischen oder gesundheitlichen Problemen noch mit politischer List und Täuschung zusammen. Solche Aspekte sind lediglich die äußerlich sichtbaren Gründe oder Mittel. Aber als Leute des Imans müssen wir von den Worten Allah Ta’alas in seinem herrlichen Quraan vollkommen überzeugt sein:

وَمَآ أَصَـٰبَكُم مِّن مُّصِيبَةٍ فَبِمَا كَسَبَتْ أَيْدِيكُمْ

„Und was auch immer euch an Unglück trifft, es ist (das Ergebnis) dafür, was eure Hände erworben haben.“

(Surah Asch-Schura, Aayat 30)

Sünden haben generell verheerende Auswirkungen auf den Einzelnen und auch im Allgemeinen auf die Gesellschaft. Folgende Auswirkungen von Sünden sind unter anderem in verschiedenen Ahadieth erwähnt worden:

  • Dem Sünder wird Rizq (Versorgung) entzogen.
  • Menschen beginnen, dem Sünder gegenüber Abneigung zu empfinden (obwohl der offensichtliche Grund etwas anderes sein kann oder sie möglicherweise nicht einmal in der Lage sind, einen bestimmten Grund zu identifizieren).
  • Die Umstände verschlechtern sich und verschiedene Dinge werden im Allgemeinen schwierig.
  • Es gibt ein allgemeines Gefühl der Verzweiflung etc.

Die Pandemie wird nur aufhören und die „Wellen“ werden nur dann ein Ende haben, wenn Derjenige, Der sie gesandt hat, diese wieder wegnimmt. Allah Ta’ala sagt in seinem herrlichen Quran:

وَإِن يَمْسَسْكَ ٱللَّهُ بِضُرٍّ فَلَا كَاشِفَ لَهُۥٓ إِلَّا هُوَ‌ۖ وَإِن يَمْسَسْكَ بِخَيْرٍ فَهُوَ عَلَىٰ كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ

“Und wenn Allah dir Unheil widerfahren lässt, so kann es keiner hinwegnehmen außer Ihm. Und wenn Er dir (etwas) Gutes widerfahren lässt, – so hat Er zu allem die Macht.”

(Surah Al-An’aamAayat 17)

Die Pandemie ist mit dem Befehl von Allah Ta’ala gekommen und nur Er hat die Macht, sie zu beseitigen. Deshalb müssen wir uns zusammen mit unseren Familien, Gemeinschaften und im Allgemeinen mit der gesamten Ummah ernsthaft bemühen, das zu tun, wodurch Seine Barmherzigkeit auf uns herabkommt, so dass wir aus dieser schwierigen Lage gerettet werden. Zu den grundlegenden Aspekten, auf die man sich konzentrieren sollte, gehören:

  • Mit tiefer Reue und Bedauern für alle begangenen Sünden Taubah (Buße) zu machen und übermäßig Istighfaar für sich selbst, für die Familie und im Namen der gesamten Ummah zu rezitieren (d. h. um Vergebung zu bitten). Mit Entschlossenheit alle Sünden zu meiden und ein Leben in Gerechtigkeit zu führen.
  • Das Wissen des Islam anzueignen und sich mit dem Leben des Propheten Sallallahu alaihi wa sallam zu beschäftigen.
  • Auf die Erfüllung der Faraidh (Pflichten), wie Gebet, Zakaat, Fasten, Rechte der Geschöpfe Allahs usw., besonders zu achten.
  • So viel Sunnah wie möglich im eigenen Leben zu praktizieren und übermäßig Salat-alan-Nabi (Durud Scharif) zu rezitieren.
  • Sich mit äußerster Demut an Allah Ta’ala zu wenden und Ihn weiterhin im Dua (Bittgebet) darum zu bitten, uns Erleichterung und Sicherheit vor allen Katastrophen zu gewähren.
  • Taqwa-gemäß (gegenüber Allah Ta’ala bewusst zu sein und Sünde zu unterlassen) in jedem Aspekt des Lebens zu handeln.
  • So viel Sadaqah wie möglich zu spenden und Menschen in Not zu helfen.
  • Andere zu motivieren, das Gleiche zu tun.

Möge Allah Ta’ala die Pandemie beseitigen und der gesamten Menschheit Erleichterung gewähren. Amin.

Gute Taten nicht zu verschieben & das Beispiel des Gesandten Allahs s.a.w.s

Gute Taten nicht zu verschieben & das Beispiel des Gesandten Allahs s.a.w.s

Einer der großen Gelehrten unserer Zeit erwähnte einmal Folgendes:

„Es ist eine große Täuschung seitens des Schaitaans, in einem Menschen falsche Hoffnungen zu erwecken, in Zukunft viele gute Taten zu vollbringen. Durch diese Hoffnungen hält er ihn davon ab, gegenwärtig gute Taten zu leisten. Sein Ziel und sein Verlangen ist es, den Diener von der Ausführung guter Taten abzuhalten, indem er verschiedene Entschuldigungen und Ausreden aufkommen lässt. Leider gelingt diesem offenkundigen Feind sein Unterfangen in den meisten Fällen. Daher verwirklichen sich die großartigen Werke, die jemand in der Zukunft ausführen wollte, in der Regel nicht, weil sich keine Gelegenheit dafür ergibt. Die Folge ist, dass die meisten Wünsche und Sehnsüchte der Menschen, in Zukunft gute Taten zu vollbringen, unerfüllt bleiben.

Deshalb sollte im Gegensatz dazu jede gute Tat, die ein Mensch jetzt gerade tun kann, auch wenn sie noch so klein ist, sofort ausgeführt werden. Wenn der Mensch demnach handelt, so kann dies ein Mittel dafür werden, dass er in Zukunft größere gute Taten vollbringen wird. Daher zeugt es von Verstand, wenn man sich so gut wie möglich engagiert. Wann immer sich die Gelegenheit zum Guten ergibt, sollte diese genutzt und das Gute sofort ausgeführt werden. Die Gelegenheit, Gutes zu tun, sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen!“

Manch einer wird meinen, dass dies leichter gesagt ist als getan. Es ist anzumerken, dass jede Sache leicht wird (selbst wenn es sich um etwas Schwieriges handelt), wenn man diese auf die richtige Art und Weise vollbringt. Wenn man eine Sache auf die falsche Art und Weise ausführt, so wird selbst die leichteste Sache der Welt zu einem schwierigen Unterfangen. Was ist nun also die richtige Art und Weise?

Diesbezüglich sagte der gleiche Gelehrte einmal: „Der wahre Islam wird im Leben eines Muslims sichtbar werden, wenn die Realität der Kalimah La ilaha illallah Muhammadur Rasulullah in seinem Leben lebendig wird. Die Realität der Kalimah bedeutet, dass man, nachdem man den festen Glauben an Allah Ta’ala (und an alle Glaubensgrundsätze) verinnerlicht hat, nach besten Kräften danach strebt, in seinem Leben jeden Befehl von Allah Ta’ala auf die Art und Weise zu erfüllen, wie es Allah Ta’ala wohlgefällig ist. Um dieses Niveau des wahren Islam zu erlangen, ist es notwendig, dass das Herz zu jeder Zeit darauf ausgerichtet ist, Allah Ta‘alas Wohlgefallen zu erlangen. Auf ähnliche Weise sollte, in Bezug auf das eigene Handeln und den eigenen Lebensstil, in jedem Moment des Lebens im Herzen die Sorge sein: ,Ist Allah Ta‘ala mit mir (und mit meinem Handeln) zufrieden oder nicht?‘“

Die Lebensweise, durch die Allah Ta’ala zufrieden wird, ist zweifellos die des Gesandten Allahs Sallallahu alaihi wa sallam. In ihr finden wir für jede Lage eine Lösung, vorausgesetzt, dass wir auch danach suchen.

Ein großer Schaikh AlHadith unserer Zeit Rahmatullahi alaih sagte dazu: „In Bezug auf unseren Charakter, unser Verhalten und unsere Manieren sollten wir uns bemühen, die gesegnete Sunnah von Rasulullah Sallallahu alaihi wa sallam nach besten Kräften nachzuahmen. Wir sollten bedenken, dass jeder Aspekt im gesegneten Leben des Gesandten Allahs Sallallahu alaihi wa sallam bei Allah Ta’ala im höchsten Maße beliebt ist. Wenn wir jedoch aufgrund unserer Schwäche gewisse Aspekte im Leben von Rasulullah Sallallahu alaihi wa sallam nicht nachahmen können (z. B. sich der Welt zu enthalten, ausgiebige gottesdienstliche Handlungen wie freiwilliges Gebet, Fasten usw. zu verrichten), sollte man zumindest das Gefühl der Reue und Trauer im Herzen tragen, dass man nicht in der Lage war, diesen Aspekt aus dem Leben des Propheten Sallallahu alaihi wa sallam nachzuahmen.“

Wir können wir nun die Taten umgehend umsetzen, ohne dass wir uns von unserem offenkundigen Feind täuschen lassen und ohne dass wir in Unachtsamkeit verfallen? Wie sah dieser Aspekt im Leben des Gesandten Allahs aus?

Schauen wir uns hierfür einige Beispiele an, die ein weiterer Gelehrter einmal ausführte: „Allah Ta’ala erwähnt (im Quran an mehreren Stellen) die Liebe und Sorge, welche der Prophet Sallallahu alaihi wa sallam für seine Ummah (Gemeinde) hatte. Aufgrund dieser Fürsorglichkeit suchte der Gesandte Allahs Sallallahu alaihi wa sallam nach Wegen, wie die Ummah vorankommen und erfolgreich sein kann. Aus diesem Grund gab er die Art und Weise vor, wie wir uns für das Eintreffen eines Ereignisses (bzw. guter Taten) vorbereiten können. So war es die Gewohnheit des Gesandten Allahs Sallallahu alaihi wa sallam, das Wasser für die Gebetswaschung zum Tahajjud (freiwilliges Nachtgebet) bereitzustellen, bevor er schlafen ging. Er hielt uns davon ab, vor dem Ischa-Gebet zu schlafen, da wir sonst unser Salaah verpassen könnten. Ebenso sollten wir uns nach dem Ischaa-Gebet nicht auf sinnlose Diskussionen oder Handlungen einlassen, da dies mit größter Wahrscheinlichkeit dazu führt, dass wir das TahajjudSalaah verpassen. Er zeigte uns dies, weil er wollte, dass wir immer auf der Gewinner-Seite bleiben und somit nicht zu Verlierern werden.“

Des Weiteren bewirken das Nachsinnen über die Schöpfung Allahs und die Zeichen des Schöpfers darin, dass einem die guten Taten leichter fallen. Auch riet uns der Gesandte Allahs Sallallahu alaihi wa sallam häufig des Todes zu gedenken, da dies ein Mittel dafür ist, sich mit guten Taten zu beeilen. Ein großer Imam, möge Allah Ta’ala mit ihm barmherzig sein, gab dazu eine ausgezeichnete Anleitung. Jeden Morgen sollte man zu seinem Nafs (Ego/Triebseele) sprechen und ihm dabei erklären, dass der Tag mit Gewissheit kommen wird, an dem man selbst stirbt und die Welt verlassen wird. Wenn man sich dessen klar und bewusst geworden ist, sollte man ihm daraufhin klarmachen, dass vielleicht heute dieser Tag ist! Man kann ja nie wissen. Wenn es also sein kann, dass das Leben heute zu Ende geht, dann sollte der Tag dementsprechend genutzt werden. Wie würde sich jemand verhalten, wenn er mit Gewissheit wüsste, dass er die Welt noch vor Einbruch der Nacht verlassen wird? Würde er die Zeit vergeuden, die Rechte anderer verletzen und seinem Herrn gegenüber ungehorsam sein? Mit Sicherheit nicht! Er würde versuchen das Bestmögliche aus dem Tag herauszuholen, indem er seinem Herrn dient, die Rechte der Menschen erfüllt und etwas Gutes zum Nutzen der Menschheit hinterlässt.

„Ein einziger Hinweis ist für den Weisen ausreichend.“

„Wenn Du aber selbst nicht willst, so gibt es tausende von Gründen (warum es nicht möglich ist).“

Möge Allah Ta’ala uns die Kraft geben, uns mit den guten Taten zu beeilen, dem Beispiel des Gesandten Allahs Sallallahu alaihi wa sallam in jedem Aspekt unseres Lebens zu befolgen und uns auf den Tod vorzubereiten. Amin.

Die Macht des Du’as

 

Die Macht des Du’as

Einer der Großgelehrten erwähnte einmal Folgendes:

Du’a ist eine gewaltige ‘Ibaadah und es ist die Essenz aller anderen ‘Ibaadaat. (Der Grund dafür ist, dass das Du’a den Ausdruck von Demut beinhaltet und genau das ist in jeder Ibaadah erwünscht.) Trotz alledem kann man beobachten, dass die Menschen dem Du’a die geringste Bedeutung beimessen.

Das Du‘a ist derart, dass, selbst wenn es als Mittel verwendet wird, um Allah ta’ala zu bitten, damit er einem die weltlichen Bedürfnisse erfüllt, es auch dann immer noch ein Akt der ‘Ibaadah darstellt (und man dafür Belohnung erhält) – vorausgesetzt man macht Du’a für etwas, das in den heiligen Geboten Allahs erlaubt ist.

In Bezug auf Du‘a haben manche Leute den Eindruck, dass Du’a nur dann ein Akt der ‘Ibaadaah ist, wenn Du’a für Dinge gemacht wird, die mit dem Dien oder der Arbeit des Diens in Verbindung stehen oder wenn Du’a gemacht wird, um Erfolg oder Erlösung im Jenseits zu erhalten. Diese Ansicht ist jedoch inkorrekt.

Oftmals schreiben mir Leute, weil sie Unterstützung für bestimmte Bedürfnisse oder Schwierigkeiten, die ihnen widerfahren sind, benötigen. Anstatt mich darum zu bitten Du’a für sie zu machen, schreiben sie stattdessen: „Bitte nennen Sie uns für dieses Bedürfnis oder jenes Problem eine effektive ‘Amal oder eine Wathiefah, die wir rezitieren können.“ Für solche Leute gebe ich die folgende Antwort: „Ich habe keine Kenntnis von einer derartigen ‘Amal, die so kraftvoll ist, dass sie ihr Problem lindert oder ihr Bedürfnis erfüllt. Sie sollten jedoch wissen, dass es keine Wathiefah oder ‘Amal gibt, die so kraftvoll und großartig ist, wie das Du’a (daher sollten Sie sich mit dem Du’a beschäftigen und dadurch Allah ta’ala bitten, damit Er ihr Problem beseitigt oder ihre Bedürfnisse erfüllt).“

Worterklärung:
Du’a: Bittgebet
‘Ibaadah: Gottesdienstliche Handlung, pl. ‘Ibaadaat
Dien: Der Lebensweg des Islams
‘Amal: Tat (hier in Bezug auf Gottesdienst)
Wathiefah (auch Waziefah): Das Wiederholen einer bestimmten Formel zum Gedenken Allahs (Dhikr)

Unsere Taubah nur ein Lippenbekenntnis?

Unsere Taubah nur ein Lippenbekenntnis?

Einer der großen Muftis unserer Zeit sagte einmal:

Das Ziel der Taubah (reuige Umkehr) besteht darin, die eigenen Sünden zu bereuen und diese tief zu bedauern. Man sollte sich bewusstwerden: „Ich habe diesen Fehler begangen, obwohl ich das nicht hätte tun dürfen.“ Indem man Reue und Bedauern zeigt, fleht man Allah ta‘ala, den Allmächtigen, an, ihm seine Fehler und Schwächen zu vergeben. Es sind jedoch darüber hinaus noch einige essenzielle Schritte notwendig, damit die Reue angenommen wird. Es reicht nicht aus, bloße Lippenbekenntnisse abzugeben und zu verkünden: „Vergib mir meine Sünden, ich bereue.“

Einer meiner Freunde hatte ein vierjähriges Kind. Er beschwerte sich bei mir, dass das Kind ständig um Geld bittet. So fragte ich es in einem gespielten tadelnden Ton: „Warum verlangst Du ständig Geld?“ Es fasste sich sofort (in einer Art der Reue) an seine beiden Ohren. Ich fragte es: „Wirst Du in Zukunft nochmal um Geld bitten?“ Es versicherte mir: „Nein, nie wieder.“ Danach schlug es seinem Vater auf das Knie und sagte: „Nun gib mir das Geld, ich habe bereut.“

Unsere Reue heutzutage gleicht der Reue dieses Kindes. Wir sind der Auffassung, dass die bloße Erwähnung des Wortes Taubah ausreichend ist und es keiner weiteren Schritte zur Änderung unserer Taten oder unseres Verhaltens bedarf. Eine Entschädigung oder Wiedergutmachung kommt ebenfalls nicht in Betracht.

Die zweite Kindheit

Die zweite Kindheit

Manchmal scheint es wie eine nie endende Prüfung, sich um unsere betagten Eltern und Schwiegereltern zu kümmern. Obwohl wir versuchen, unser Bestes zu geben, kann man es ihnen oft nicht recht machen und wir hören selten ein „Jazaakallahu khairan“ von ihnen. Die Frage ist: „Was sollten wir tun?“

Es ist eigentlich einfach! Wir müssen nur unsere Denkweise ändern. Stellen wir uns vor, dass unsere betagten Eltern oder Schwiegereltern in ihre zweite Kindheit eingetreten sind, was eine legitime Entschuldigung darstellt. Wir müssen ihre Worte und Taten übersehen, tolerieren, vergeben, ein Auge zudrücken und sie entschuldigen.

Denken wir einen Moment nach! Mit wieviel Liebe und Sorgfalt kümmert sich eine Mutter um ihr kleines Kind. Wenn das Kind sich erbricht und die Mutter mit dem Erbrochenen befleckt, wird die Mutter nicht wütend und schreit das Kind an, da sie das Kind entschuldigt, weil es noch ein Baby ist. Wenn das Kind beim Spielen der Mutter unschuldig ins Gesicht schlägt, dann schlägt die Mutter das Kind nicht zurück, weil sie das Kind entschuldigt, da es noch klein ist. Tag für Tag und Nacht für Nacht füttert, säubert, wäscht und kleidet die Mutter das kleine Kind; und bei all dem sagt das Kind kein einziges Mal: ​​„Jazaakillah Mama!“ Trotzdem kümmert sich die Mutter weiterhin um das Kind und empfindet das Kind nie als undankbare oder nicht wertschätzende Person. All dies, da sie versteht, dass das Kind entschuldigt ist, weil es eben noch ein Kind ist. Unter diesem Aspekt sollten wir von nun an Verständnis für unsere betagten Eltern und Schwiegereltern haben, deren zweite Kindheit begonnen hat. Sie haben uns entschuldigt, als wir Babys waren. Jetzt ist es an der Zeit, sie zu entschuldigen.

Möge Allah Ta’ala uns die Kraft geben, den Akhlaq seines Propheten sallallahu ‘alaihi wa sallam zu praktizieren. Amien, ya Rabbal ‘Aalamien.

Herzen aus Gold

Herzen aus Gold

Abu Hurairah radhiyallahu ‘anhu berichtete, dass Rasulullah sallallahu ‘alaihi wa sallam den folgenden Vorfall gegenüber den Sahaabah radhiyallahu ‘anhum erwähnte:

Ein Mann (von einem der früheren Völker) kaufte einmal etwas Land von einer anderen Person und entdeckte (nachdem das Geschäft abgeschlossen war), dass in dem Stück Land ein mit Gold gefülltes Gefäß vergraben war. Daraufhin kam er zu dem Verkäufer und sagte: „Nimm dein Gold von mir, denn ich habe nur das Land von dir gekauft, nicht aber das Gold.“ Der Verkäufer antwortete jedoch: „(Ich habe kein Gold im Land vergraben, noch war mir bewusst, dass es dort Gold gibt.) Ich habe dir ja das Land sowie alles, was es enthält, verkauft. (Daher solltest du das Gold behalten.)“

Da keine der beiden Parteien das Gold nehmen wollte, wandten sie sich an einen Dritten und baten ihn darum, sie bei der Schlichtung (des Falls) zu unterstützen und eine Lösung für die Situation zu finden. Der Schlichter fragte sie: „Habt ihr beide Kinder?“ Einer von ihnen antwortete: „Ja, ich habe einen Sohn“, während der andere sagte: „Ja, ich habe eine Tochter.“

Der Schlichter schlug dann vor: „Verheiratet den Jungen und das Mädchen und gebt ihnen etwas von dem Gold und gebt auch einen Teil davon als Sadaqah aus (d. h. als Spende an die Armen).“ (Beide, Verkäufer und Käufer, waren mit diesem Vorschlag zufrieden und nahmen diesen dankend an.)

(Sahih Bukhaari #3472)

Lektion:

Wenn das Herz eines Menschen von der Liebe zu Gold und Reichtum erfüllt ist, wird er alles tun, um noch mehr Reichtum zu erwerben. Er wird nicht zögern, die Rechte der Menschen mit Füßen zu treten, um ihren Reichtum an sich zu reißen und viele Menschen sind sogar bereit jemanden zu töten, wenn sie den richtigen Preis dafür bekommen.

Die Herzen der rechtschaffenen Freunde von Allah ta’ala sind jedoch keineswegs mit der Liebe zum Gold gefüllt – vielmehr haben sie „goldene Herzen“. Sie fürchten Allah ta’ala zu jeder Zeit, enthalten sich von dem, was ungesetzlich oder sogar zweifelhaft ist, und geben anderen den Vorzug. Es macht ihnen auch nichts aus, Geld zu verlieren – solange ihr Dien und ihr Imaan (Religion und Glaube) sicher und geschützt sind.

Während Streitigkeiten normalerweise ausgetragen werden, um Reichtum zu „erwerben“, war dies ein einzigartiger Vorfall in der Geschichte, bei dem es zu einem Streit kam, weil keine der beiden Parteien das Vermögen für sich nehmen wollte.